Dieter-Wellershoff-Stipendien 2025
Ada Badey und Stefan Cordes sind die Dieter-Wellershoff-Stipendiat*innen des Jahres 2025. Die Dieter-Wellershoff-Stipendien wurden vom Literaturhaus Köln als Arbeitsstipendien ausgeschrieben und im Zuge der Autorenförderung mit Mitteln der Stadt Köln ausgestattet. Ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury, bestehend aus Nada Assaad (freie Journalistin, Moderatorin, Autorin), Uwe Kalkowski (Produktmanager Eichborn Verlag und Blogger (kaffeehaussitzer.de)) und Christa Morgenrath (Initiatorin und Leiterin von stimmen afrikas), waren die Exposés und Textproben aus 35 Einsendungen. Wie schon im letzten Jahr wurde ein anonymisiertes Auswahlverfahren angewendet.
Die Entscheidung für ihr Romanprojekt Mit nichts auf der Zunge begründet die Jury folgendermaßen:
»Ada Badey gelingt eine in hohem Maße glaubwürdige und nachvollziehbare Darstellung kindlichen Erlebens. Eine unvoreingenommene Wahrnehmung und kindliche Fantasie mischen sich mit poetischen Passagen, lakonischen Detailbeschreibungen und gekonnt eingesetzter Milieu-Sprache. Dies wird kunstvoll mit der Erzählung der erwachsenen Protagonistin verwoben, die erst im Rückblick erkennt, dass sie in einem dysfunktionalen Elternhaus aufgewachsen ist. In den Kinderaugen erscheinen die teils abenteuerlichen Eskapaden ihres Vaters keineswegs als Gefährdung des Kindeswohls, sondern sogar zugewandt oder auch faszinierend. Eine besondere Spannung entsteht durch die Darstellung des Vaters, der sich vollkommen egozentrisch verhält, doch gleichzeitig ein durch und durch entwurzelter Mensch ist. Es ist eben diese fein gezeichnete Ambivalenz, die die raffiniert komponierte Geschichte mit ihren wechselnden Erzählperspektiven und Zeitebenen auszeichnet.«
Sein im Entstehen begriffener Roman Wir waren Wunder überzeugte die Jury, die ihre Wahl so begründet:
»Das Manuskript beschreibt die Lebensgeschichte von Mariann Mozart, der älteren Schwester von Wolfgang Amadeus Mozart. Sie hatte das gleiche virtuose Talent wie ihr Bruder, verschwand aber vollständig in dessen Schatten. Das Romanprojekt holt sie daraus hervor und arbeitet mit zwei Zeitebenen: Die alte Mariann blickt zurück auf ihre Kindheitstage, in denen der krankhaft ehrgeizige und stets verschuldete Vater das Glück der Familie der Karriere des Sohnes opfert. Die atmosphärisch äußerst dicht erzählte Familiengeschichte entwirft dabei ein lebendiges Gesellschaftsporträt jener Zeit mit den traditionellen Zwängen und patriarchalen Strukturen, in denen Frauen ausschließlich eine Rolle als Ehefrau und Mutter zugewiesen wird. Die musikalische Begabung der Tochter Mariann wird gnadenlos unterdrückt, weil es schlicht nicht vorstellbar ist, dass sie als Frau über eine solche verfügt. Der Roman lässt die erblindete Mariann aus dem Dunkel der Vergangenheit treten und ihre Erinnerungen an die dramatischen familiären Beziehungen lebendig werden. Eine präzise Figurenzeichnung lässt mit wenigen Worten die zentralen Charaktere vor dem inneren Auge entstehen. Die Textprobe macht definitiv Lust auf mehr!«
Stipendien für Kinder- und Jugendliteratur 2025
Anja Fröhlich und Zsazsa von Ammon sowie Anja Kieffer und Frank Schmeißer sind die Stipendiat*innen der diesjährigen, unter neuen Namen vergebenen Stipendien für Kinder- und Jugendliteratur. Anja Fröhlich und Zsazsa von Ammon erhalten je ein Imhoff-Stipendium für Kinder- und Jugendliteratur über 8.000 € bzw. 4.000 €. Anja Kieffer und Frank Schmeißer erhalten je ein Stipendium für Kinder- und Jugendliteratur der Stadt Köln über jeweils 7.000 €. Die Stipendien wurden bereits zum siebten Mal vom Jungen Literaturhaus Köln ausgeschrieben und im Zuge der Autor*innenförderung mit Mitteln der Stadt Köln und der Imhoff Stiftung ausgestattet. Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Susanne Carp, Selim Özdogan und Helena Trapp, wendete zum dritten Mal erfolgreich ein anonymisiertes Auswahlverfahren an.
Sie überzeugte die Jury mit ihrem Kinderbuchprojekt Hasse alles? Ja, ich hasse alles! (Arbeitstitel):
»Anja Fröhlich eröffnet uns einen Kosmos mit Figuren, die manchmal schrullig daherkommen, manchmal normal scheinen, dabei aber immer liebenswert sind. Den an den Rand geschobenen Themen des Alltags nähert sie sich auf spielerische Weise.«
Zsazsa von Ammon (Jg. 1967) arbeitete als Regieassistentin, als Referentin für Kinder- und Jugendliteratur und war Filialleiterin einer Buchhandlung. Seit einigen Jahren liegt ihr Fokus auf dem Schreiben von Kinderbüchern. Zuletzt erschien ihr Kinderbuch Manchmal wär ich gern ein Hai (2025).
Die Jury begründet die Entscheidung für ihr Jugendromanprojekt Schrapnell (Arbeitstitel) folgendermaßen:
»Zsazsa von Ammon erzählt in bildhafter Sprache und mit zuweilen schwarzem Humor die Geschichte eines Mädchens, das in einem Frauenhaus nach Nähe und Vertrauen zu sich selbst und zu anderen sucht.«
Die Entscheidung für ihr Jugendromanprojekt Abgekapselt (Arbeitstitel) begründet die Jury so:
»Anja Kieffer nimmt uns mit auf eine Reise, die sowohl eine Flucht ist als auch einen tiefen Einblick in eine verkapselte Gefühlswelt der Protagonistin erlaubt.«
Er überzeugte die Jury mit seinem Jugendromanprojekt Erste Liebe Psychiatrie (Arbeitstitel):
»Frank Schmeißer erzählt uns die Geschichte einer ersten Liebe - und als sei das nicht schon kompliziert genug, spielt die auch noch in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung. Die inneren und äußeren Schwierigkeiten werden präzise beobachtet und in schnörkelloser Sprache erzählt.«